Haarlexikon

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Echthaar
Diesen Begriff findet man sehr häufig an Fertigartikeln wie Perücken, Haarteilen usw. und bedeutet grundsätzlich nichts Schlechtes, sagt jedoch nichts über die eigentliche Qualität aus. Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel Hunde-, Katzen- und Rosshaar schließlich auch Echthaare sind, ist diese Bezeichnung jedoch nicht sehr aussagekräftig.

Humanhaar
Bezeichnet schon eine Stufe besser und sagt immerhin, dass es sich hierbei um ein menschliches Haar handelt. Ein Herkunftsland oder eine Region ist damit jedoch noch nicht beschrieben.

Rohhaar
Unter diesem Begriff versteht man Menschenhaare, die vorher nie mit irgendwelchen Friseurchemikalien wie z. Bsp. Bleich-, Färbe- oder Dauerwellmitteln in Berührung gekommen sind, sondern nur mit Shampoo gewaschen wurden. Das einzelne Haarbündel hat meist einen deutlichen Farbverlauf vom Kopf zu den Haarspitzen. Das Haar ist am Kopf dunkler als an den von der Sonne ausgebleichten Spitzen.

Schnitthaar
Beim Begriff Schnitthaar ist davon auszugehen, dass die Haare vom Kopf abgeschnitten und gleich abgebunden werden. Es kommt jedoch immer wieder vor, dass beim Haarhändler diese abgeschnittenen Bündel aufgemacht und die kurzen Haare ausgehechelt werden. Bei dieser Bearbeitung kann es passieren, dass versehentlich kleine Haarsträhnen in falscher Laufrichtung wieder mit zusammengebunden werden. Schnitthaar bedeutet deshalb nicht automatisch, dass es sich dabei auch um Remis-Haar handelt und es deshalb keine Verfilzung geben kann. Im Haarbündel selbst befindet sich meist verschiedene Haarlängen, so dass der Zopf nach unten hin immer mehr ausdünnt und spitz zuläuft.

Virgin Hair
Bezeichnet absolut unbehandeltes, sehr feines und sehr weiches europäisches Schnitthaar. Sehr oft erfüllt Kinderhaar diese Kriterien.

Wirrhaar
Ist meist ausgekämmtes Haar, dass sich in der Haarbürste sammelt oder bei der mechanischen Bearbeitung von Haaren anfallen. Sind es sehr kurze Haare, wurden diese früher oft als Geschmacksverstärker in Schokolade verwendet, als Aminosäurelieferant von der chemischen Industrie verarbeitet oder in der Filzstoffindustrie zu Hüten und Mäntel verarbeitet.
Längere Wirrhaare bilden einen Haarknäuel, der erst mühsam mit einer Hechel ausgekämmt werden muss. Bei dieser Bearbeitung werden die Haare schnell überdehnt und gehören anschließend nicht mehr zu einer guten und brauchbaren Haarqualität. Zudem sind die Haare No Remis Qualität und neigen deshalb stark zum Verfilzen.

Europäische Haare
Ursprungsländer sind alle europäische Staaten bis hin zu Weißrussland, Ukraine, Kasachstan usw. Sie zeichnen sich besonders durch ihre Feinheit, den weichen Griff und durch einen natürlichen Glanz aus. Europäische Haare sind im Querschnitt meist oval und kompakt und haben einen Durchmesser von ca. 40-50 my. Haare aus anderen Staaten kann man ebenfalls dazu zählen, solange der Durchmesser und die Weichheit eingehalten wird.

Indisches Haar
Ursprungsland ist Indien und ein paar angrenzende Staaten wie z.B. Pakistan, Afghanistan. Indische Haare sind durchschnittlich ca. 30 % dicker (60 my) als Eurohaar. Jedoch fehlt der natürliche Glanz von Haus aus. Oft wird deshalb von Haarverkäufern mit Kokosfett oder Palmöl nachgeholfen. Es gibt noch einige Untergruppen wie z.B. philippinisches oder indonesisches Haar. In der Gesamtheit sind diese Qualitäten zu den indischen Haaren zu zählen.

Chinesisches Haar
Ursprungsland ist China, aber auch Korea oder Taiwan. Dickes Haar mit einem Durchmesser von 80-90 my, es ist beinahe doppelt so dick ist wie europäische Haare. Meist runde Form im Querschnitt, sehr matt und oft strohig im Charakter. Indisches und chinesisches Haar werden oft als "asiatisches Haar" oder "Exporthaar" bezeichnet, was grundsätzlich zwar nicht falsch ist, aber durch die deutlichen Qualitätsunterschiede der beiden Gruppen nicht zusammengefasst werden können.

Eurotex oder europäisierte Haare
Es handelt sich dabei um reine Phantasiebegriffe, die absolut nichts über die eigentliche Herkunft der Haare aussagen, sondern lediglich, dass die Haare vermutlich in Europa ausgerüstet und veredelt wurden. Es handelt sich in den meisten Fällen um asiatisches Haare, die durch diese Zusatzbezeichnung höherwertig gemacht werden sollen.

No Remis / Remis Haar
Jedes Echthaar hat eine Kopf- und Spitzenseite. Dementsprechend verläuft die Schuppenschicht. Die einzelnen Schuppen liegen dachziegelartig vom Kopf zur Spitze, sodass ein problemloses Kämmen nur in dieser Richtung möglich ist. Kommt es jedoch zu einer Verdrehung der Laufrichtung, filzen die Haare besonders im nassen Zustand sehr stark und man spricht von "No Remis Haaren". Liegen also die Haare eines Bündels in gleicher Laufrichtung (wie am menschlichen Kopf) spricht man von Remis Haaren. Um ein No Remis Haar trotzdem verwenden zu können, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

1. Das Haar wird mit einer sauren Chlorlösung behandelt, wobei die Schuppenschicht nur teilweise oder ganz abgelöst wird. Wird die komplette Schicht abgelöst, kann das Haar zwar nicht mehr verfilzen, ist jedoch extrem stark geschädigt und hält meist keine weiteren Behandlungen wie zum Beispiel eine Dauerwelle aus. Deshalb wird oft nur einen Teil der Schuppenschicht entfernt und die Oberfläche mit verschiedenen Silikonen geglättet. Dieser Silikoneffekt hält sich jedoch nicht sehr lange, je nach Silikontyp kann der Verfilzungsprozess schon nach wenigen Wäschen beginnen.

2. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit die No Remis Haare nach einer speziellen mechanischen Methode zu bearbeiten, sodass es auf keinem Fall zu einer chemischen Schädigung kommen kann. So werden aus No Remis Haaren wieder Remis Haare.

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